Museumsschätze – Guldener Himmelsschlüssel

Bei den wissenschaftlichen Recherchen zum Museumsprojekt Sigharting 900 tauchen immer wieder kleine und größere Kostbarkeiten auf, die wir Ihnen in der Reihe „Museumsschätze“ vorstellen wollen.

Himmelsschlüssel
von Martin von Cochem (1634-1712)

Guldener Himmelsschlüssel des Martin von Cochem (1634-1712), Inv. Nr. II/5-31

Guldener Himmels-Schlüssel/ Oder: Sehr kräftiges, nutzliches und tröstliches Gebett-Buch/ Zu Erlösung der lieben Seelen des Fegefeuers.
Darinn zugefordert in dreyen Geschichten, die Grausamkeit des Fegefeuers, samt einer leichten Weis, die arme Seelen ohnfehlbarlich zu erlösen, erklärt wird.
Daranch aber in sechszehn Theilen allerhand [kr]äftige Morgens- und Abends- Meß- und Vesper- [B]eicht und Communion-Gebetter: wie auch zum Hochwürdigen [S]acrament, und der H. Dreyfaltigkeit: zu Christo und seinem [bi]ttern Leyden: zur Mutter Gottes und den Heilgen: an allen [ho]hen Festen und besonderen Tagen: in gemeinen und besonderen [N]öthen: für Geist- und Weltliche Jungfrauen: für schwanger und gebährende Weiber: für kranke und sterbende Personen: und dann letztlich für die Arme Seelen des Fegefeuers begriffen seynd.
In diesem legrern Druck seynd viel neue in keinem Gebett-Büchern begriffene Gebetter zugesetzt, wie an dem Blat[t] nach der Vorrede zu sehen ist.
Zum sonderlichen Gebrauch des andächtigen Weiber-Geschlechts. Durch P. Martin von Lochem, Capuc. Ord. Mit allergnädigst – ertheilten Kayserlichen –  Ordens General-Privlegio. Und spezialer Ordens-Licenz, hoher Geistl. Obrigkeit. Gedruckt in Sulzbach, […]

MARTIN von Cochem (Geburtsname: Linius, Linn oder Linden), Volks- und Erbauungsschriftsteller, * 13.12. 1634 in Cochem, + 10.9. 1712 in Waghäusel.
Martin von Cochem entstammte einer moselländischen Hutmacherfamilie, trat dem Kapuzinerorden bei, wurde am 2.3. 1653 eingekleidet und erhielt den Ordensnamen Martin. Noviziat und Studium absolvierte er wahrscheinlich in Köln, die Priesterweihe erhielt er um das Jahr 1658. Im gleichen Jahr zog er in die Ordensniederlassung nach Aschaffenburg, wo er 1663 seine theologischen Studien beendete.

Ab 1664 war er als Lektor der Philosophie und Subvikar in Mainz tätig, ab 1668 in Ehrenbreitstein, Bensheim und Nothgottes. Später finden wir ihn als Seelsorger in Trier (1674), Königstein (1675-1678) und Dieburg (1679). Von 1682 bis 1685 war er als Visitator des Mainzer Kurfürsten für das Aschaffenburger Kommissariat tätig. In den Folgejahren finden wir ihn als Seelsorger in Dieburg, Ehrenbreitstein, Bernkastel, Günzburg, Passau, Linz, Prag und Walldürn. 1698/9 amtierte er als vom Trierer Kurfürsten Johann Hugo von Orsbeck ernannter Visitator in der Erzdiözese Trier. Ab 1700 befand M. sich in Waghäusel, in der Folge dann in Bernkastel, Aschaffenburg sowie Mainz und seit 1709 wohl endgültig in Waghäusel, wo er auch starb und seine letzte Ruhestätte fand.

Martin von Cochem war der bedeutendste und verbreitetste barocke Volks- und Erbauungsschriftsteller der Rheinlande. Wir kennen 24 große Buchpublikationen, von denen seine »Meßerklärung« (398 Auflagen), der »Güldene Himmelsschlüssel« (331 Auflagen) und das »Leben Christi« (177 Auflagen) die bedeutendsten sind. Die »Meßerklärung« und der »Himmelsschlüssel« wurden noch 1957 aufgelegt.

26 weitere Werke werden (ungesichert) seiner Feder zugeschrieben; 16 größere Bücher wurden aus seinen Schriften zusammengestellt. Diese waren etwa im Trierischen nach zeitgenössischen Berichten während des 18. Jahrhunderts fast die einzigen Gebetbücher, die das Volk verwendete. Noch bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts standen sie in der Diözese Trier an der Spitze aller verbreiteten Gebetbücher. Trotz massiver Angriffe seitens der Aufklärung, die seine Bücher zu denjenigen zählte, die „blos Klostermoral, Mönchsbüßungen, Einfälle der Novizenmeister, Mystizis’m, bloße fromme Empfindeleien und – Unsinn enthalten“, griffen die Gläubigen immer wieder zu den ihnen lieb gewordenen Gebetbüchern. Ihren durch die Schule der Aufklärung gegangenen Seelsorgern war dies ein Dorn im Auge.

Martin von Cochems Volkstümlichkeit, Orginalität und Lebensfrische sicherten ihm auch im 19. Jahrhundert, erst recht seit der Romantik und Restauration, seinen Platz in der christlichen Familie. Seine Bücher suchen einen engen Anschluß an das Kirchenjahr, bieten ausgiebige Belehrungen, sind biblisch fundiert und wenden sich in ihrer warmherzigen Art vornehmlich an das Gemüt der einfachen Gläubigen. Sie gehören zu der Gattung, die „das persönliche Gebet bei und außer der Liturgie nähren“ (Theodor Schnitzler), die aktive Teilnahme der Gläubigen an der Liturgie aber nicht fördern konnten.

Im Sprachlichen und Formalen gibt es in seinem Werk für die Frömmigkeit in der Jetztzeit Barrieren, die nicht durch einfache stilistische Umarbeitung wegzuräumen sind. Doch können sein Einfühlungsvermögen, seine Herzlichkeit, sein Gespür für die Bedürfnisse der „einfachen Gläubigen“ und sein Vermögen, komplizierte theologische Gehalte zu vermitteln, durchaus als von bleibender Bedeutung bezeichnet und fruchtbar gemacht werden.

Quelle: http://www.kirchenlexikon.de/m/martin_v_c.shtml

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